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Sebastian Kraatz

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07.10.2017, 14:09

"Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos" - es fehlt Nachwuchs für Freiwilligendienste

Zitat

"Die Unwetterschäden kommen öfter und werden heftiger", sagte der Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, im Dlf. Gleichzeitig werde es für Freiwilligendienste immer schwerer, Nachwuchs zu rekrutieren. Er hält es darum für sinnvoll, junge Menschen dazu zu verpflichten, sich eine Zeit lang sozial zu engagieren.


deutschlandfunk.de

Unabhängig von der Wetterlage gehen in allen Bereichen der Hilfsdienste wohl langsam die Kräfte aus und der Nachwuchs bleibt aus.

Johannes D.

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2

07.10.2017, 17:26

Diese Forderung ist so grundfalsch wie zu erwarten gewesen. Wenn die Freiwilligendienste keinen Nachwuchs mehr bekommen, dann sollte man an der Attraktivität der Freiwilligendienste arbeiten und nicht eine gesetzliche Verpflichtung fordern. Da dazu aber eine Menge Umdenken und einen erheblichen Abschied von "das haben wir schon immer / noch nie so gemacht" nötig wäre, von dem die meisten Dienste massiv profitieren würden, wäre es gut und richtig - aber für die Entscheidungsträger viel zu unangenehm.

Und das sage ich, obgleich ich einen verbindlichen, geschlechtsunabhängigen Zivildienst durchaus begrüße. Allerdings mit der Argumentation der persönlichen Weiterbildung und Entwicklung.
Land zwischen den Meeren,
vor dem sich sogar die Bäume verneigen,
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Eddy

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07.10.2017, 17:36

@Johannes D: Mach mal konkrete Vorschläge, was die Attraktivität so steigert, dass die Leute mehr bereit sind, sich über einen längeren Zeitraum an eine Hilfsorganisation zu binden.

Ich glaube, dass das viel einfache gesagt ist, als es tatsächlich möglich ist.

Eddy

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Jörg Holzmann (07.10.2017)

Johannes D.

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07.10.2017, 17:51

Aber sehr gerne doch!

Das hängt sicherlich vom Einzelfall ab. Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn die internen Strukturen nicht allzu staubig sind und ein persönliches Einbringen möglich ist. Die Behandlung der "Neuen" ist auch regelmäßig gruselig. Der Umfang, in dem sich Weiterbildungen "verdient" werden müssen, ist sehr häufig völliger Unsinn. Sicherlich setzt man mal Geld in den Sand, aber die persönliche Weiterentwicklung der Helfer steigert die Attraktivität der Tätigkeit.

Die Förderung von gemeinsamen Aktivitäten jenseits des Einsatzdienstes ist extrem wichtig und vielerorts vernachlässigt. Regelmäßige Treffen abseits der Dienstabende, Ausfahrten und Freizeitwochenenden etc gehören ins Grundprogramm und nicht als Spinnerei abgetan. Dies ist selten der Fall. Ich kenne beispielsweise nur ein Beispiel, in der eine Hilfsorganisation mal eine interne Sportgruppe aufgestellt hat und insgesamt wirklich dutzende HiOrgs gut.

Einstellungen wie "Dienst ist Pflicht, nur Ein- und Austritt sind freiwillig" sind grundfalsch und überaltert, davon muss man sich lösen. Man muss akzeptieren, dass sich Leute im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbringen, und dies nicht immer 100% von dem ist, was man gern hätte. Der Freizeitwert in unserer Gesellschaft ist deutlich gestiegen, dass muss man akzeptieren. Man muss hin zu der Teilhabe der Hilfsorganisation an der Freizeit und weg von der Konkurrenz dazu. Das macht unattraktiv.

Generell sollten Mitglieder von Hilfsorganisationen weniger als Mittel, Geld zu generieren, gesehen werden. Dies erlebt man gerade im Sanitätsdienstbereich sehr oft, dass ohne Ende unattraktive Dienste angenommen werden, um Geld zu verdienen. Das ist dem einzelnen Mitglied aber ganz oft egal, schließlich verdient es selbst ja nicht, sondern bringt seine Freizeit ein. Das Ausbrennen von Mitgliedern durch (zeitliche und sonstige) Überforderung muss stärker bekämpft werden. So vergrault man sich schnell seine eigenen Leistungträger.

Und man muss akzeptieren, dass man um Freiwillige werben muss. Dazu erfordert es deutlich mehr als ein paar schicke Plakate und die jährliche Ausstellung von Fahrzeugen beim Blaulichttag. Dazu gehört eine vernünftige Jugendarbeit, und die Alltagspräsenz der entsprechenden HiOrg als Verein bzw. Hobby.

Das wären jetzt mal so ein paar spontane Gedanken, die an sehr vielen Orten falsch laufen. Und dort, wo das meiste davon berücksichtigt wird, gibt es meiner Erfahrung nach bedeutend weniger Nachwuchsprobleme.
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Thor

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08.10.2017, 15:36

Was in dem Interview nicht zur Sprache kam, das sich die Gesellschaft gewandelt hat. Es wird subjektiv betrachtet von den Menschen mehr gefordert und weniger gegeben.

Auch hat sich die Berufswelt verändert. Wir merken das bei uns in der Rettungshundestaffel ungemein. Wir haben keine verstaubten Strukturen, SanDienste um Geld zu verdienen, Aktivitäten außerhalb des Einsatzdienstes, etc. Trotzdem finden immer weniger Leute den Weg in das Ehrenamt, einfach weil es mit Beruf und Familie immer weniger zu vereinbaren ist. Da muss auch nicht immer der Arbeitgeber Schuld sein, sondern es wohnen ja auch immer weniger Leute in relativer Nähe zu ihrer Arbeitsstätte. Deswegen überlegen ja auch die FFeuerwehren, Einsatzkräfte von anderen Wehren mit einzusetzen, wenn die tagsüber in ihrem Ort ihre Brötchen verdienen.

Auch die angesprochenen FFen der Großstädte. Ich würde da keinen Dienst tun wollen, weil man irgendwie immer hört, dass die BF die Ehrenamtlichen kaum was machen lässt, außer eben wenn die Unwetter wüten.

Hinzu kommen auch gesteigerte Anforderungen. Reichte es früher mit Privatautos und ausgebildeten Hunden anzurücken, so ist das heute nicht mehr so einfach möglich. Hinzu dürfen in Nds. keine Rechnungen gestellt werden. Das bedeutet die RHS werden bei den HiOrgs querfinanziert und alle anderen müssen zu sehen, wie sie die Kohle reinbekommen. Dadurch müssen bei uns die Einsatzkräfte viele Sachen auch selber kaufen, weil wir keine große Kleiderkammer/Materiallager unterhalten können.

Denke ich an meine SEG, dann sind die Einsätze wo Ehrenamtliche mit rauskönnen sehr selten. Es fahren eigentlich nur RS/RA/NFS mit raus, einfach weil es so von öffentlicher Seite gefordert wird. Diese Gruppe verdient natürlich im RD ihr Brot/Brötchen. Somit bleiben den reinen Ehrenamtlichen nur Übungen und Sandienste und dann doch der seltene Fall, wo mal ManV Stufe 2 ausgelöst wird.

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thh (11.10.2017)

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08.10.2017, 15:54

Hierzu auch bei der FF...die Situation ist nicht nur in Freising so, sondern in zu ziemlich allen Gemeinden im weiteren Speckgürtel rund um München....auch wenn das niemand zugeben will.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/frei…-voll-1.3319809
...mit Legenden ist das so eine Sache...
...manche sind wahr... 8)

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08.10.2017, 17:11

Das ist meiner Meinung nach keinerlei falsche Aussage von Herrn Broemme!

Die Gesellschaft hat sich verändert - mehr fordern und weniger geben - dies ist absolut richtig.
Gerade aus diesem Grund muß eben gegengesteuert werden.

Staat bedeutet in unserer Gesellschaft auch die Bevölkerung, die sowohl staatliche Leistungen finanziert und erhält als auch zahllose Aufgaben übernimmt, die eben nicht bezahlbar sind, dafür unbürokratisch und ohne Fünfjahresplan funktionieren
Gesellschaft funktioniert nur mit einem Miteinander.

Was mit einer Gesellschaft passiert, die nur mit Druck von oben und geplanten Fortschritten (angeblich) funktioniert...
östlich von Fulda endete dieser Versuch 1989.

Ich selbst war ZDL - in einer Zeit, als der Begriff "Drückeberger" oder "Langhaarzottel" durchaus noch anzutreffen war.
Zahllose junge Männer aus dieser Zeit sind heute Rettungsdienstleiter, Ober- oder Chefärzte, arbeiten in oder leiten pädagogische Einrichtungen, sind Heilerziehungspfleger/Sozialpädagogen.
Diese (damals) 18 Monate haben sicherlich zu meiner Prägung beigetragen.

Es ist mir völlig schnuppe, ob so ein Dienst in der Jugendarbeit eines Sportvereins, in der Migrantenbetreuung, bei einem Umweltschutzprojekt oder sonstwo gemacht wird.

Es geht mir auch weniger darum, was durch solche Dienste "eingespart" werden kann.
Stattdessen geht es mir darum, welcher Wertzuwachs daraus entstehen kann, wenn Projekte wie "FSJ" oder "BFD" Menschen einen Einblick in andere Lebensrealitäten ermöglicht.

Das gilt aber ebenso wie ein absolut freiwilliges (also nicht organisiertes) Engagement in einem freigemeinnützigen Verein.

Die Abschaffung des Wehrdienstes (und damit des Zivildienstes oder der Kats-Verpflichtung) war vor Jahren "en vogue", weil eben nur mit Haushaltszahlen hantiert wurde.

Mein persönliches Resümee:
dieser Staat/diese Gesellschaft haben es absolut verdient, daß Frauen und Männer gleichermaßen eine fest definierte Lebenszeit "geben".
raphael-wiesbaden

Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Selig sind die geistig Armen - nur: kann der Himmel die ganzen Seligen auch wirklich aufnehmen ?

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Sebastian Kraatz (08.10.2017)

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08.10.2017, 17:43

Wenn die Freiwilligendienste keinen Nachwuchs mehr bekommen, dann sollte man an der Attraktivität der Freiwilligendienste arbeiten und nicht eine gesetzliche Verpflichtung fordern.

Die Forderung nach einem verpflichtenden "Freiwilligendienst" kann und will ich auch nicht unterstützen, zugleich sehe ich aber doch einige Probleme die mit der Aussetzung des Wehr-/Zivildienstes entstanden sind und die uns so langsam auf die Füße fallen. Generell merkt man sowohl im rein sozialen Bereich, wie auch im Ehrenamt das Fehlen des Wehrdienstes und das trifft auch im Bezug auf Bewerbungen für ein FSJ zu. Auch wenn entsprechende Personen "neutral" eingesetzt werden sollen/sollten, fallen die Personen weg gibt es Lücken die von den Übrigen aufgefangen werden müssen.
Gerade im Ehrenamt fällt es immer schwerer an neue und vor allem junge Leute ran zu kommen, was nicht nur an der Unattraktivität des Ehrenamtes liegt, sonder vor allem daran dass das normale Leben heute schon fast von morgen bis abends durchgeplant ist und immer mehr verlangt wird. Auch die Einführung der Ganztagsschule ist für das Ehrenamt ein echtes Problem, denn damit werden Kind/Jugendliche an die Schule gebunden und an "Hobbys" die von Lehrern schmackhaft gemacht werden könne bzw. an Vereine die sich nach der Schule richten können. Auch im Bereich derer die nicht mehr in die Schule gehen wird die "Rekrutierung" neuer Personen aufgrund der beruflichen Einbindung immer schwieriger, dass liegt unter anderem daran das immer mehr Leute pendeln und immer mehr auch in den Abendstunden noch beruflich eingebunden sind.
Die Förderung von gemeinsamen Aktivitäten jenseits des Einsatzdienstes ist extrem wichtig und vielerorts vernachlässigt.
Hört sich gut und einfach an, ist in der Realität schwierig. In unserem Ortsverein haben wir vor rund einem Jahr diskutiert ob ein treffen alle 14 Tage (mit Ausnahme von Ferien und Feiertagen) ok ist oder ob man mehr bzw. weniger Treffen ansetzen sollte, das Ergebnis war eindeutig, es ist alles geblieben wie es war. Seltenere Treffen wurden wegen der fehlenden Möglichkeit zur Ausbildung abgelehnt und häufigere Treffen wegen der Belastung des Privatlebens. Ein häufigeres Treffen auch zur reinen "Vergnügung" wurde auch mit dem Hinweis auf das Privatleben abgelehnt, was übrigens nicht nur dafür ein Problem geworden wäre, sondern auch für die Kasse des Ortsvereins.
Generell sollten Mitglieder von Hilfsorganisationen weniger als Mittel, Geld zu generieren, gesehen werden. Dies erlebt man gerade im Sanitätsdienstbereich sehr oft, dass ohne Ende unattraktive Dienste angenommen werden, um Geld zu verdienen.
So hart wie es klingt und so ungern ich das auch mache, genau dafür sind die Mitglieder aber zum Großteil da. Mitglieder einer HiOrg sind eben dafür da um in erster Linie Dienste/Einsätze zu bedienen und in zweiter Linie um Geld rein zu bringen, eine reine Mitgliedschaft des Spaßes halber ist finanziell nicht möglich. Diese Tatsache bedaure ich übrigens massiv.
Tatsächlich ist es doch im ehrenamtlichen Bereich so, dass die Ortsvereine von ihren übergeordneten Strukturen nicht annähernd ausreichend finanziell unterstützt werden um auf das durch die Mitglieder erwirtschaftete Geld verzichten zu können. Diese Tatsache führt eben dazu, dass man möglichst viele Dienste annehmen muss um überleben zu könne; ein Mitglied überwiegend zum Geld verdienen da ist und es zeitlich/finanziell kaum Möglichkeiten für mehr "Vergnügen" gibt.
Dazu gehört eine vernünftige Jugendarbeit, und die Alltagspräsenz der entsprechenden HiOrg als Verein bzw. Hobby.

Wie oben schon geschrieben fällt die Jugendarbeit dank der Ganztagsschule immer schwerer. Für eine vernünftige Jugendarbeit parallel zur Ganztagsschule fehlt es erstens vieler Orts an Personen die nach Vorgaben der Schule Zeit haben und zweitens sind wegen der Ganztagsschule viele Kinder/Jugendliche nach der Schule noch zu eingebunden. Auch ist es so, dass viele nach der Schule auch einfach mal Zeit für sich haben wollen/sollen, da ist dann keine Lücke mehr für ein Verein. Gerade die zwei letzten Punkte sind es die den Vereinen echt zu schaffen machen, denn Zuhause ankommen ist für einen Schüler nicht immer mit "Feierabend" verbunden und es fehlt das freie "Intervall" zw. Schule und Vereinsleben um als Schüler mal Luft zu holen bzw. was machen zu können.

Generell finde ich den Weg eines verpflichtenden freiwilligen Dienstes als den letzten den man gehen sollte. Tatsächlich muss sich aber neben den Vereinen (dazu zählen auch die HiOrg) vor allem die Politik Gedanken darum machen, wie man das Vereinsleben am Leben erhalten und für die Zukunft auf vernünftige Beine stellen kann. Das bisherige System, was eben noch auf einem Schulsystem ohne Ganztagsschule und auf einem Wehr-/Zivildienst beruht, ist veraltet und muss daher dringend überarbeitet werden. Auch die Finanzierung des Vereinslebens gehört in diesem Zug dringend überdacht und reformiert, denn auch hier klemmt es vieler Orts und das betrifft nicht nur die HiOrg, sondern auch Sportvereine und Co.
Würde man es hinbekommen Arbeits-; Privat- und Vereinsleben wieder vereinbarer zu machen und auch Vereine dazu bringen finanziell unabhängiger von der Arbeit der Mitglieder zu sein, dann würden sich sicher wieder mehr Leute für das Vereinsleben finden / begeistern lassen.

Grundsätzlich würde ich es begrüßen, würden Vereine von den übergeordneten Strukturen (Kreisverbände; Landkreise; ...) mehr gefördert. Auch würde eine verstärkte direkte Förderung der ehrenamtlichen Helfer einer HiOrg eine entsprechende Tätigkeit attraktiver machen, dazu gehört aus meiner Sicht aber auch eine tatsächliche Förderung und nicht "3% Rabatt auf die Fahrt im ÖPNV". Würde man beides hinbekommen, dann wäre das Engagement durch direkt (Vorteile durch entsprechende Mitgliedschaft) und indirekt (Tätigkeit + "Bespaßung") Anreize wieder eine attraktive Sache.

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thh (11.10.2017)

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08.10.2017, 17:45

Gerade im Ehrenamt fällt es immer schwerer an neue und vor allem junge Leute ran zu kommen


und "geeignete".

Johannes D.

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08.10.2017, 17:57

BC, damit verkörperst du genau den Geist, der gebrochen werden muss. Die Mitglieder haben mehrheitlich einfach keine Lust mehr, durch ehrenamtliche Arbeit die Hilfsorganisationsstrukturen zu finanzieren. Dass es anders geht, zeigen durchaus einige positive Beispiele. Allerdings erfordert das eine erhebliche Umstrukturierung eben zurück vom profitorientierten "gemeinnützigen" Großkonzern zum Hobbyverein. Andernfalls hat man vielleicht auch einfach berechtigt Probleme weiterhin Leute zu finden. Die meisten Hilfsorganisationen haben nicht unerhebliche Spendeneinnahmen, die die tatsächlich notwendigen Ausgaben mit dem Entgelt für die Dienste, die dennoch möglich wären, durchaus decken würden. Der Fehler ist eben, diese "Mitgliederbespaßung" als optional anzusehen, wenn man sie als Geldvieh ansieht, laufen sie weg. Zurecht.
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Maverick83

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08.10.2017, 18:23

Also meine Vereine haben alles eins gemeinsam: die Anzahl der Spenden nimmt sehr deutlich ab - gerade auch der nicht Sachgebundenen Spenden. Wie damit umgehen? Die einen Verlangen höhere Mitgliedsbeiträge, die anderen reduzieren die Leistung für Mitglieder und wieder andere gründen Wirtschaftsunternehmen deren Gewinn für die Satzungsgemäßen Aufgaben genutzt werden sollen. Daher zu behaupten das es so viele Spenden gibt, finde das ich spannend.

Und immer bedenken, in manchen Vereinen muss mit dem SanDienst eben die Kleiderkammer oder der Besuch und Vorleseservice mitfinanziert werden.


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Johannes D.

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08.10.2017, 19:59

Das kann man natürlich immer unterschiedlich sehen aber man kann ja auch durch die Spendentransparenz einfach mal nachschauen. Beispielsweise das DRK in seinem Jahrbuch 2016 auch einen Rückgang von Spenden bemängelt, führt es dort nur die Sachgebunden, die übrigens wohl stärker zurückgegangen seien, an. Dafür seien wohl öffentliche Zuschüsse wegen der Flüchtlingskrise erheblich gestiegen. Insgesamt hat der DRK eV im Jahr 2016 183.500.000 Euro zur Verfügung gehabt. Das ist durchaus eine Zahl bei der man von einer erheblichen Menge Geld sprechen kann. Anzumerken sei, dass das bayrische rote Kreuz hier nicht mitzählen dürfte. Bei den Maltesern sind es gemäß ihres Finanzberichts 156.600.000 Euro insgesamt, davon 19.000.000 Euro aus Spenden und 60.600.000 Euro aus Mitgliedsbeiträgen. Auch dies ist insgesamt eine erhebliche Menge Geld. Der ASB kommt auf "nur" 92.958.823 Euro. Besonders die Johanniter sind mit 1.055.000.000 Euro (übrigens ein Plus von 28% im Vergleich zum Vorjahr) mit völlig unerheblichen Mitteln gesegnet...
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_BC_

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08.10.2017, 20:49

Ich glaube hier liegt ein kleines Missverständnis vor. Ich bin kein Freund der Tatsache Mitglieder zur Steigerung der Einnahmen einzusetzen, aufgrund der hier üblichen Finanzierung bleibt den meisten mir bekannten Ortsvereinen aber nichts anderes üblich. Würde der Ortsverein die Bespaßung bzw. den Freizeitteil in den Vordergrund stellen und die Einnahmen in der Hintergrund, dann könnte der Ortsverein kurzfristig den Leuten kein Material mehr beschaffen; längerfristig keine neue/zusätzliche Einsatzbekleidung und langfristig müsste der Ortsverein zu machen. Während das der übergordneten Struktur wohl relativ egal wäre, ist es den Mitgliedern nicht egal ob sie in Zukunft keinen Ortsverein mehr für ihr Hobby haben. Da der Ortsverein selbst weiterbestehen will und auch die Mitglieder es wollen bleibt nichts anderes übrig als die Mitglieder zur Gewinnung von Geld einzusetzen, auch um den Mitgliedern ihr Hobby möglichst schmackhaft zu machen (z.B. durch ordentliches Material und vor allem ordentliche PSA).
Allerdings erfordert das eine erhebliche Umstrukturierung eben zurück vom profitorientierten "gemeinnützigen" Großkonzern zum Hobbyverein.

Gerade auf Ortsvereinsebene, und darum geht es doch eigentlich, geht es nicht um den Profit, hier geht es meist um Einnahmen um das Überleben zu sichern. Die "Großkonzerne" die hinter den Ortsvereinen stecken nehmen viel Geld durch Spenden und Co. ein, beim kleinen Ortsverein kommt davon aber wenig bzw. fast gar nichts an. Gerade eben wegen diesem finanziellen Problem lässt sich nicht eben auf diesen oder jenen Dienst verzichten; hier und da mal mehr Bespaßung bewerkstelligen und obendrein die "Arbeit" im Verein durch möglichst gute und neue Ausstattung finanzieren. Genau hier setzt die Problematik "Mitglied + Dienst = Geld" an.
Obendrein hat man ja auch vom finanziellen Abgesehen ein Problem, denn Mitglieder sind ja nicht in erster Linie da um Geld zu verdienen, sondern um Einsätze bzw. Dienste zu übernehmen.
Aufgrund der immer größerer werdenden Bindung der Privatperson an den Beruf bzw. das Geld wird es auch immer schwer die Einsatzbereitschaft sicher zu stellen, dass ist aber durchaus eine Sache die übergeordnete Strukturen und vor allem die Politik erwarten. Gerade weil die Politik mit "wenig" Geld bislang viel erreichte sah sie kein Handlungsbedarf und jetzt? Jetzt gibt es zig Berichte über Mängel und Probleme im sozialen Bereich bzw. dem Ehrenamt/Vereinsleben, aber unterm Strich funktioniert es doch noch. Warum also was ändern? Aus meiner Sicht, weil es dringend notwendig ist um den Kollaps zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.

Im übrigen haben nicht nur die klassischen HiOrg das Problem neue Mitglieder zu gewinnen bzw. ihre Arbeit zu finanzieren. Auch der klassische Sportverein oder Gesangsverein um die Ecke hat diese Probleme und auch wenn dieser keine Leben rettet, für das Gemeinwohl sind auch diese Vereine wichtig. Gerade weil wir alle auch von diesen Vereinen profitieren ist es dringend notwendig das bisherige System der Vereinsarbeit zu reformieren. Auch der soziale Bereich würde davon deutlich profitieren, sei es durch eine Entlastung im Alltag oder eben die Nachwuchsgewinnung.

Bezüglich den von dir gebrachten Zahlen:
Teilt man die Summe der DRK Spenden alleine durch die Summe der Landesverbände (19) + Kreisverbände (500) + Schwesternschaften (33) + Ortsvereine (über 4500), dann bleiben da pro Struktur und Jahr ~3632€ übrig. Was nach eine beträchtlichen Summe aussieht dürfte gerade im ehrenamtlichen Bereich tlw. noch nicht mal für Miete; Steuern; Verbrauchskosten und Co. einer Unterkunft reichen, damit wäre als OV selbst bei Überlassung dieses Anteils noch auf Einnahmen aus Diensten angewiesen. Da das DRK aber nicht nur seine Strukturen hat die finanziert werden wollen, sondern auch noch zahlreiche Projekte (tlw. auch welche wo sich der Staat vor Aufgaben und oder Kostenübernahme drückt) braucht man sich nicht wundern, dass man unten von dem "vielen" Geld nichts sieht. Sicher ist der Umgang nicht zu 100% transparent und es gibt noch andere Einnahmen, aber weder ein DRK, noch ein DFB oder sonst ein Verein kann es sich leisten seine Strukturen bis in die kleinste Einheit komplett zu finanzieren. Genau aus dieser Tatsache heraus entsteht auch das Problem des Mitglieder mangels, denn es fehlt an Geld um neue Mitglieder zu werben; an Geld um den Verein interessant zu halten und an Geld um regelmäßig "größere" Bespaßungsaktionen anbieten zu können.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »_BC_« (08.10.2017, 20:52)


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08.10.2017, 21:07

Meiner Meinung nach beschreibst du das Problem schon wieder bestens durch examplarisches Denken. Warum kommt denn von all dem Geld beim Ortsverband nichts an? Das ist sehr, sehr viel Geld. Übrigens nicht unerheblich durch staatliche Zuschüsse, der sich vielleicht gar nicht so schlimm drückt an der Stelle. Deine Rechnung funktioniert so auch nicht, denn viele der genannten Strukturen sind keineswegs einzeln sondern sehr wohl zusammen zu sehen. Aber ja, auch eine Reduktion des gewaltigen Wasserkopfs wäre eine notwendige und überfällige Maßnahme. Nicht jeder Verein muss selbstständig sein, vieles kann man effizienter organisieren um Geld zu sparen. Warum schaffen es manche Organisationen die Verwaltung über größere Regionen zu organisieren, manche brauchen unabhängige Kreise? Es soll Städte geben in denen fünf Ortsverbände der selben Hilfsorganisation sind, etc pp. Da ist viel Spielraum, unglaublich viel Spielraum. Um sich vor Augen zu führen, wie ineffizient dieses System ist, muss man sich nur mal gewinnorientierte Sanitätsdienstfirmen anschauen. Die gibt es immer mehr, in der Regel sind sie gar nicht viel teurer als die Hilfsorganisationen, stellen nicht selten höhere Qualifikationen, bezahlen ihre Mitarbeiter und erwirtschaften Gewinn. Und da erzählt man, dass eine vernünftige Mitgliedsbetreuung nicht möglich wäre. Ich sage, dass das lächerlich ist. Aber ja, das sind Umstrukturierungen, die in der Regel nicht auf Ortsverbandsebene stattfinden müssen.

Und nochmal, du beschreibst die Denke hier wirklich perfekt. Ja, die Einsatzkraft ist am Ende dazu da, dass sie Einsätze absolviert. Aber sie ist ein Freiwilliger, den man betüdeln muss und dessen Bereitschaft man aufrechterhalten muss und nicht eine Einnahmequelle. Wenn man sie beispielsweise nicht mit 400 Sanitätsdiensten im Jahr, von denen vielleicht 20 interessant sind und mit Glück 100 überhaupt nötig, dann bleiben sie vielleicht länger und stehen für Aufgaben wie Flüchtlingshilfe und Zivilschutz eventuell sogar wirklich zur Verfügung...
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08.10.2017, 21:39

Die Diskussion um das finanzielle und den Wasserkopf bzw. die Verschiebung von Geldern auf höherer Ebene trägt nichts zum Thema bei, daher würde ich sie hier gerne beenden.
Aber sie ist ein Freiwilliger, den man betüdeln muss und dessen Bereitschaft man aufrechterhalten muss und nicht eine Einnahmequelle.

Wie soll Ortsverein X denn den Freiwilligen betüdeln, wenn es dafür in erster Linie mal Geld braucht, genau diese Geld aber eh knapp ist und eigentlich nicht genug da ist um alles anstehende zu finanzieren? Die Einnahmen aus übergeordneten Strukturen sind gering, die Einnahmen aus anderen Stellen noch geringe und Spenden gibt es fast keine, damit sind die Mittel für das "Betüdeln" faktisch nicht vorhanden. Ein mögliches "betüdeln" kann dann in erster Linie nur sein, vernünftiges Material zu stellen und wenigsten hin und wieder eine Bespaßung zu ermöglich. Auch wenn es zig Leute gibt die deine Sichtweise teilen, es gibt genauso gut Leute die für das was gemacht wird dankbar sind und die lieber vernünftiges Material haben, als jeden Monat 1-2x Bespaßung.
Im übrigen ist nach meiner Erfahrung die "fehlende" Bespaßung für die wirklich aktiven und interessierten Mitglieder viel weniger ein Problem, wie veraltetes/fehlendes Material und eine zu große Belastung des Einzelnen.
Wenn man sie beispielsweise nicht mit 400 Sanitätsdiensten im Jahr, von denen vielleicht 20 interessant sind und mit Glück 100 überhaupt nötig, dann bleiben sie vielleicht länger und stehen für Aufgaben wie Flüchtlingshilfe und Zivilschutz eventuell sogar wirklich zur Verfügung...

An der Zahl der Dienste wird sich nichts ändern lassen, denn der Kunde will den Dienst und wenn A ihn nicht macht, dann macht ihn eben B. Die reine Reduzierung der Dienste ist im übrigen auch keine Lösung des Problems, denn damit geht 1. die Möglichkeit flöten einen Dienst zu machen (was demotivierend ist/sein kann) und 2. gehen dabei auch interessante Dienste flöten (was demotivierend ist). Auch ist es so, dass ein Mitglied durch ein Plus an Zeit nicht unbedingt für anderes zu Verfügung steht. Wie du weiter oben schon geschrieben hast, der Mensch muss im Vordergrund stehen und auf ihn muss eingegangen werden. Daraus ergibt sich, das ein Mitglied welches wegen San-Dienst im Verein ist nicht automatisch bei weniger Dienst begeistert sein wird und dann eben in der Flüchtlingshilfe oder sonst wo aktiv wird. Auch ergibt sich aus der eben genannten Tatsache, dass durch diese Entlastung das Mitglied nicht automatisch mehr für den Zivilschutz zur Verfügung steht. Gerade in Zeiten in denen es immer mehr Leute in Betrieben gibt in denen sie nur schwer bzw. nicht ersetzbar sind und die in Schicht arbeiten, gerade in diesen Zeiten wird eine reine Entlastung nicht automatisch zum mehr Engagement im allgemeinen oder wohlfühlen führen.
Wichtiger als die allgemeine Entlastung bleibt aus meiner Sicht die Entlastung des Einzelnen, d.h. die anfallende Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilen und bei der Verteilung darauf Rücksicht nehmen, was der einzelne leisten kann und woran er Spaß/Interesse hat. Um möglichst viele Schultern zu bekommen müssen die Vereine eine gute Grundlage zur Vereinsarbeit leisten können und hier aktiv werden, auf der anderen Seite muss aber auch die Politik aktiv werden um es Vereinen zu ermöglichen an neue und mehr Mitglieder zu kommen. Stellschrauben für die Politik können unter anderem Vergünstigungen; Ehrungen oder ähnliches sein, aber auch die Möglichkeit Vereine mehr in das Leben junger Leute gezielt einzubinden.

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Johannes D.

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16

08.10.2017, 22:12

Die Diskussion um das finanzielle und den Wasserkopf bzw. die Verschiebung von Geldern auf höherer Ebene trägt nichts zum Thema bei, daher würde ich sie hier gerne beenden.


Das kann ich mir vorstellen, aber sie ist ja nunmal ursächlich und damit in der Diskussion unabdingbar. Das Geld fehlt wegen dieses Wasserkopfs. Wegen des fehlenden Geldes lässt sich eine sinnvolle Vereinsarbeit nicht bewerkstelligen. Der Fisch stinkt vom Kopf her... Vielleicht hilft es ja, die unattraktiven Dienste abzugeben. Soll doch jemand anders das Problem haben - ich bleibe dabei, viele Dienste sind von vorneherein unnötig und dürften gern mit der Zeit verschwinden. Es sind genug attraktivere Dienste vorhanden und das Personal ist einfach zu wertvoll um es für Unfug zu verheizen. Es demotiviert sehr wohl auch, wenn zu viele und vor allem zu viele schlechte Dienste vorhanden sind. Sicherlich ist Material wichtig, aber eine Gruppe trägt der Zusammenhang. Das ist in jedem Verein so. Die Grundlagen von Teambuilding sind aber gemeinsame Aktivitäten, und wenn man diese als unnötig und nicht finanzierbar ansieht, wird man einfach schnell ein unattraktiver Verein. Und dem fehlen dann Mitglieder. Zurecht, denn wer nicht mit der Zeit geht, der geht eben mit der Zeit. Und das ist gut so.
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Monschi

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08.10.2017, 22:13

Eine Einführung eines "Pflichtdienstes" ist nicht möglich mit Ausnahme vom Wehrdienst. Herr Broemme sollte das eigentlich wissen...

_BC_

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18

08.10.2017, 22:26

Ursächlich ist vieles, der Wasserkopf am Ende des ganzen aber im Moment am wenigsten. Wirklich ursächlich und problematisch ist folgendes:
  1. geänderte Finanzstruktur (z.B. weniger Spender/Sponsoren und auch weniger Volumen von diesen)
  2. steigende Kosten (z.B. durch Vorschriften/Auflagen und auch Mieten)
  3. steigende Zahl an Terminen (bei HiOrg z.B. mehr Einsätze/Dienste bei anderen Vereinen durch Sitzungen/Wettbewerben/...)
  4. steigende Anforderungen an die Einsatzmöglichkeit eines Mitglieds (ohne Lehrgang X darf man dies oder jenes nicht oder einfach gar nichts)
  5. steigende Anzahl an Personen die einen Job im Schichtdienst haben bzw. einen an dem sie "unabkömmlich" sind
  6. steigende Anzahl an Personen mit mehr als nur einem Job
  7. steigende Anzahl an Schulstunden
  8. sinkende Möglichkeit zur Vereinbarung von Job-/Privatleben und dem Engagement in einem Verein
  9. sinkender Anreiz durch die Bevölkerung oder die Politik sich in einem Verein zu engagieren


Das sind jetzt nur ein paar grundlegende Punkte die mir einfallen und die Abseits der Wasserkopfproblematik vielen Vereinen, auch denen außerhalb der HiOrg, echt zu schaffen machen. Gibst du mir noch mehr Zeit bzw. würden sich noch andere Personen einklinken, dann würde diese Liste noch viel länger werden und noch immer ging es um die Problematik an der Basis und nicht um das was du als ursächlich bezeichnest. Hat man die Probleme an der Basis angegangen und dort tatsächlich etwas bewegt kann man gerne über den Wasserkopf und Co. diskutieren, bis dahin wird eine Reduzierung des Wasserkopfs der Basis kein wirklicher Zugewinn sein.

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08.10.2017, 22:40

Dann wird es ein seltsamer Zufall sein, dass die Vereine, die sich aktiv und gut um ihre Mitglieder kümmern deutlich geringere Probleme mit dem Mitgliederschwund haben. Oder es ist nur meine Wahrnehmung. Vielleicht ist der hübsche Rucksack, der acht Ebenen Verwaltung passiert hat, ja aber auch ein Trost, wenn niemand mehr da ist, ihn zu tragen.

So oder so wird man nur die Probleme angehen können, auf die man Einfluss hat. Da die Hilfsorganisationen wenig Einfluss auf die Gesellschaftsentwicklung haben, wäre es vielleicht weiser, selbst wenn man sich als gänzlich unschuldig wähnt, die beeinflussbaren Faktoren anzugehen. Oder man schreit nach einem Pflichtdienst. Der wird aber so leicht nicht kommen, dafür wäre immerhin außerhalb des Wehrdienstes eine Verfassungsänderung nötig...
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09.10.2017, 01:34

Die These der reinen Unschuld habe ich nicht aufgestellt und beanspruche sie auch nicht, auch bin ich nicht dazu bereit sie bis ins letzter zu verteidigen. Ich finde es aber fragwürdig, wenn man es sich bequem macht und die Schuld rein auf die Vereine und einen ggf. vorhandenen Wasserkopf abschiebt ohne die restlichen Entwicklungen zu beachten bzw. diese verharmlost werden.

Erkläre mir doch bitte mal wie ein normaler Verein (d.h. nur ehrenamtliche Mitglieder die zu nahezu 90% und mehr berufstätig sind) sich z.B. im Rahmen einer AG an einer Schule um die Nachwuchsgewinnung kümmern soll? Interessant wäre auch, wie der selbe Verein ohne entsprechende Aktivität seiner Mitglieder an Geld gelangen soll um sein Fortbestehen zu sichern? Erkläre mir bitte ausserdem, wie man es als Verein einem Mitglied ermöglicht besser Berufs-;Privat- & Vereinsleben vereinbar zu machen? Interessieren würden mich deine Lösungsansätze in diesem Bezug vor allem, wenn der Verein von extern entsprechende Termine vorgegeben bekommt und er diese nicht beeinflussen kann.
All das sind massive und alltägliche Probleme und all diese treffen auf fast alle Vereine zu, egal ob HiOrg; Fastnachtsverein; Sportverein oder oder.

Ansonsten, wie du auch hier wieder lesen dürftest, geht es ja nicht nur um die klassische HiOrg. Die beschriebenen Probleme treffen auf alle Vereine zu und beim Geld geht es seltenst um dem tollen Rucksack, sondern oftmals um einfache Sachen, wie Trikots; Trainingsstätten; ... .

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