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condorp4

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30.11.2015, 09:17

Brandenburgs Rettungsdienst hält Hilfsfrist nicht ein

http://www.skverlag.de/rettungsdienst/me…-nicht-ein.html

Zitat

Nur zwei Landkreise erreichen vorgegebene Zeit

Wie aus der Jahresstatistik 2014 des Innenministeriums von Brandenburg hervorgeht, gelingt es dem Rettungsdienst in dem Bundesland kaum, die Hilfsfristen einzuhalten.
"We are the Pilgrims, master; we shall go
Always a little further: it may be
Beyond that last blue mountain barred with snow,
Across that angry or that glimmering sea,

White on a throne or guarded in a cave
There lives a prophet who can understand
Why men were born: but surely we are brave,
Who take the Golden Road to Samarkand."

James Elroy Flecker

Harris NRÜ

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30.11.2015, 13:34

Meine Schwiegereltern kommen aus OHV, daher sind wir (Fanilie) öfters da. Ich habe aus Neugier auch schon mal geschaut wo die nächsten Wachen sind, gerade weil die Wege dort sich ewig in die Länge ziehen. Ich kann mir das gut vorstellen, mit den Hilfsfristen...

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30.11.2015, 13:40

Wenn die RTWs dann noch kreuz und quer disponiert werden, weil es kein Routing gibt, oder es nicht funktioniert, wird's nicht besser.
Und wenn dann noch die RTWs mit KTW oder pseudo-KTW touren beschäftigt sind, ist klar was kommt.

Aber statt da mal dran zu schrauben, werden die Wachen immer größer.
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Andrechen

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30.11.2015, 14:24

Das fehlende Routing ist wirklich ziemlich ätzend als Disponent.Das mit den pseudo KTW´s kann ich nicht erkennen.

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30.11.2015, 14:26

Das fehlende Routing ist wirklich ziemlich ätzend als Disponent.Das mit den pseudo KTW´s kann ich nicht erkennen.
HA ruft LTS an, braucht einen KTW.
Dispo: "KTW braucht 2h, wenn sie einen RTW bestellen, ist der in 10 min da."

Oft erlebt. Und nein, das waren keine dringlichen Transporte.


EDIT: Und wenn im LK ab 16 Uhr Werktags und am Wochenende überhaupt kein KTW rollt, rate mal wer die Transporte macht.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »M1k3« (30.11.2015, 14:35)


Andrechen

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30.11.2015, 15:00

Naja,ich habe ja nun schon in Brandenburg Dosponiert und kann das schlicht nicht so erkennen, wie du es sagst. Ich nehme jetzt mal an, dass wir in zwei anderen Bereichen gearbeitet haben.
Im übrigen sehe ich keine Verfehlung dadrin, zu sagen, bei bestimmten Bildern dann doch darauf hinzuweisen, dass nen KTW 2Std braucht. Und wenn bei euch ab 16 Uhr keine KTWs mehr fahren, dann ist das keine Fehldisposition der Leitstelle.

fakl

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30.11.2015, 15:01

@M1k3
Und was wirfst du nun dem Hausarzt vor?
Dass er einen Patienten, bei dem er kein gutes Gefühl hat und er ihn deswegen ins Krankenhaus einweist, keine 2 h alleine rumsitzen lässt?
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30.11.2015, 15:10

@M1k3
Und was wirfst du nun dem Hausarzt vor?
Dass er einen Patienten, bei dem er kein gutes Gefühl hat und er ihn deswegen ins Krankenhaus einweist, keine 2 h alleine rumsitzen lässt?
Wir reden hier von Patienten, die nachhause müssen, und ähnlichem. Keine akuten oder subakuten fälle. Alleine sitzt der Patient nicht, sind genug in der AP. Wir reden letztendlich von missbrauch. Ob das nun an der Leitstelle liegt, oder am Hausarzt ist mir gleich. Mir gehts auch nicht um Schuldzuweisung. Aber wenn beide RTW in der Region KT fahren nachhause machen, darf man sich nicht wundern über schlechte Hilfsfristen.

@Andrechen: der Hinweis der LTS dient ja dem anfragen eines RTW. Der Dispo könnte mir ja ein KTW Stichwort schicken, dann wird der RTW als KTW abgerechnet (und fährt nicht mit Blau hin). Aber Das rechnet sich eben nicht so schön ab wie ein RTW Alarm mit RTW Transportschein.
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fakl

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30.11.2015, 15:12

Eine Heimfahrt mit Blaulicht? ?-(
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Andrechen

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30.11.2015, 15:14

Zeig mir bitte einen Einsatz, wo du eine Rückfahrt vom Arzt als RTW in blau gemacht hast, dann können wir gerne von Missbrauch reden. Ich bezweifel, dass sowas vorkommt. Und wenn bei einem sub/akutfall kein KTW frei ist und dann ein RTW Alarmiert wird, so wird dieser auch Abgerechnet.

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30.11.2015, 15:19

Zeig mir bitte einen Einsatz, wo du eine Rückfahrt vom Arzt als RTW in blau gemacht hast, dann können wir gerne von Missbrauch reden. Ich bezweifel, dass sowas vorkommt. Und wenn bei einem sub/akutfall kein KTW frei ist und dann ein RTW Alarmiert wird, so wird dieser auch Abgerechnet.
Nein. Wenn ein KTW bestellt ist, und ein Transportschein als KTW ausgestellt ist, wird auch als KTW abgerechnet. Egal welches Auto den Patienten abholt. Wenn aber ein KTW nötig wäre, und ein RTW bestellt wird, dann wird als RTW abgerechnet. Der Dispo muss also gucken, dass der HA einen RTW bestellt, wenn die KTWs beschäftigt sind. Wir reden hier nicht von Seltenheiten.
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30.11.2015, 15:33

Das geht ganz einfach:
HA XY: Ich möchte einen Pat. mit einer Pneumonie Einweisen und brauche einen KTW.
Dispo: Alles klar, KTW kommt in ca. 2 STD.
HA XY: Das dauert zu lange der Pat. muss schneller ins Krankenhaus, aufgrund der Erkrankung.
Dispo: Oky, also der KTW braucht zwei Stunden, sollte ein Notfall vorliegen , da der Pat. schneller Behandelt werden muss, dann liegt eine RTW Indikation vor.
HA: Nein, ein KTW reicht. Oder: Oky, dann schicken Sie bitte einen RTW.
Dispo: Oky, dann wie gesagt in frühestens zwei Stunden, bis bald. oder: Oky, der RTW ist unterwegs zu Ihnen, verbleiben Sie vor Ort, die Kollegen sind auf dem Weg.

Abrechnung geregelt.

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30.11.2015, 16:36

So läuft es aber nicht. Mal ein anderes Beispiel:
Ich fahre (nicht, sollte aber) regelhaft mit SoRe zu gezogenen DK, dunklem Urin, oder verstopften DK (symptomfrei). Mal mit KÄND als Anrufer mal ohne.




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Harris NRÜ

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30.11.2015, 17:38

Ich muss Mike hier mal in Schutz nehmen, denn das was er berichtet kann auch ich von meinen zwei Rettungsdienstbereichen bestätigen.

1) Notfalleinsatz wegen DK gezogen
Das liegt u.a. daran, und da muss ich meine eigenen Kollegen der Leitstelle mal in die Pfanne hauen, dass bei einem Anruf aus einem Pflegeheim aufgrund eines gezogenen Blasenkatheters ein "Transport" angefordert wird. Da regelhaft kein Transportschein dafür vorhanden ist, weil akut gerade erst geschehen oder aufgefallen, der Hausarzt oder der Ärztliche Notdienst einen neuen DK in der Regel nicht vor Ort legen wird, wird ein solcher Einsatz als "Notfalleinsatz" eröffnet. Das Stichwort "Urologischer Notfall" führt somit das Häkchen "mit Alarm", da hier natürlich auch kritische Fälle mit gemeint sein können. Natürlich kann man dieses Häkchen auch manuell entfernen, so das als Notfalleinsatz OHNE Alarm alarmiert wird. Aber es ist wie es ist - neben guten Disponenten gibt es auch viele schlechte Disponenten. So gibt es dann einige, die sich über so etwas keine Gedanken machen.

Ich persönlich versuche solche Einsätze, wenn es denn irgendwie geht, einem KTW unter "Notfalleinsatz OHNE Alarm" auf´s Auge zu drücken. Geht natürlich auch nicht immer, mangels KTW, aber einen RTW entsende ich dann auch ohne Alarm. Ob das letztendlich Abrechnungsbetrug ist oder nicht ist mir völlig egal! Wichtig für mich ist, dass ich so gut wie möglich Sinn in meine Arbeit hinter den 6 bis 8 Bildschirmen bringen kann.

2) RTW-Nutzung für Krankentransporte
Ja, auch hier muss ich RTW regelmäßig für Krankentransporte nutzen, weil dieses regelhaft auch gar nicht anders möglich ist (mangels KTW, vor allem in den Nacht- und Wochenendstunden). Man nimmt Rücksicht auf die aktuelle Einsatzsituation der Notfallrettung, mittels Erfahrung versucht man auch die zukünftige Lage vorauszusehen und entsprechend zu handeln. Aber auch hier gilt der Satz: Es ist wie es ist! Murphy sorgt immer dafür, dass zwischen "Hier Leitstelle-nix-los, kommen" und "Verdammte scheiße, hätte ich mich mal krank gemeldet" nur Minuten liegen können. Die beste Planung kann 5min später wieder für den Arsch sein...

3) RTW-Missbrauch für Krankentransporte
Ja, auch wir Disponenten entsenden mal einen RTW zu einem Krankentransport oder entscheiden über den Kopf der anfordernen Stelle hinweg und entsenden anstatt einem KTW auch mal einen RTW als Notfalleinsatz, wenn wir der Meinung sind, dass dieses aufgrund des Meldebildes besser wäre. Der Regelfall sieht jedoch deutlich anderes aus! Arztpraxen und Krankenhäuser fordern hier für Einweisungen oder Verlegungen zwischen den Krankenhäusern regelhaft RTW an, weil diese wissen das es so schneller geht. Auch für Mist! Ja, sogar bewusst gelogen wird am Telefon, was eigentlich schon strafbar ist oder sein könnte (siehe unten, ein besonders dreister Fall). Bei Entlassungen versuchen die Krankenhäuser auch oft sich einen RTW zu "schnappen", "der ist ja eh gerade hier - kann der nicht eben..." ist da oft das Motto. Erst vor einigen Tagen wollte eine Krankenschwester für eine Entlassung nach Hause den T-Schein ändern (selbstständig, was hier auch normal ist), fragte auch dreist "lass das doch mal schnell einen RTW machen". Nein, war meine Antwort...! Übrigens gibt es sowas auch im Intensivtransport. Nachts wird man ohne Alarm, da für eine bestimmte Urzeit vorbestellt (OP-Ende), mit RTW und NEF in einen Aufwachraum bestellt. Dort übernimmt man einen frisch operierten Patienten, analgosediert, IPPV-beatmet, katecholaminpflichtig (Noradrenalin), mit entsprechender Instrumentierung (ZVK, Arterie, usw.). Aufgrund fehlender Intensivplätze wird der Patient innerhalb des Klinikumverbundes in ein anderes Haus verlegt (ca. 40km entfernt). Also eine interne Verlegung, also Kostenträger das Krankenhaus selbst. Kosten RTW und NEF zusammen: ca. 600 Euro. Kosten ITW: ca. 1200 Euro. Und nun macht euch selbst einen Reim darauf, warum der Harris mit seinem RTW Nachts mit einem ITW-Patienten durch die Gegend düsen musste. Übrigens: Beim Einladen in den RTW haben wir die Perfusorleitung vom Noradreanlin abgerissen. Ups! Mit der ITW-Trage wäre das wahrscheinlich nicht passiert (anderes System)...

Zitat

Zum Fall: Eine Arztpraxis in einer Großstadt bestellte gegen 17:00 Uhr an einem Werktag einen KTW für einen sitzenden Transport (d.h. Patient läuft zum KTW, sonst wäre es ein Tragestuhl) für eine freiwillige Einweisung in eine Psychiatrie. Gegen 17:50 Uhr, 10min vor der Schließung der Praxis, fragte eine Arzthelferin noch einmal freundlich (ihr bemerkt hier hoffentlich die Ironie in dem Wort "freundlich") nach, warum der KTW immer noch nicht da wäre. Ich sagte ihr, dass z.Z. alle KTW bei Einsätzen gebunden wären und noch nicht absehbar ist wann dieser genau bei ihr eintreffen würde, mit ca. 1 bis 2 Stunden noch zu rechnen ist (normale Zeiten bei uns). Damit gab diese sich zufrieden. Zwei, drei Minuten später klingelte erneut die 19222, ich erkannte die Nummer und schnappte sie mir sofort, bevor ein Kollege dieses tat, da ich schon ahnte was nun kommen wird. Nun war wieder die Arzthelfern am Telefon, sie wollte einen Notarzt bestellen. Ich fragte näher nach, ob es um den gleichen Patienten gehen würde? Dieses wurde bestätigt. Ich frage noch einmal nach, warum denn nun ein Notarzt erforderlich wäre? Als Antwort bekam ich nur, dass ein Notarzt erforderlich wäre. Ich fragte erneut nach, was denn nun geschehen wäre? Schlaganfall? Herzinfarkt? Bewusstlos? Irgendwas? "Ja, genau", war die Antwort der Arzthelfern. Ich ließ mir noch dreimal am Telefon bestätigen, dass wirklich ein Notfall vorliegen würde, ohne eine konkrete Antwort zu bekommen was denn vorliegt, auch den Arzt bekam ich nicht an die Strippe, dieser hätte es aber angeordnet. Ich wiederholte noch drei Mal deutlich am Telefon, dass ich nun, wie gewünscht, einen Rettungswagen und einen Notarzt mit Blaulicht zur Praxis entsenden würde. Gesagt, getan! Ich informierte das NEF telefonisch vor dem Abrücken. RTW und NEF trafen nach ca. 5min am Einsatzort ein. Das NEF meldete sich kurz darauf, wer denn einen Notarzt angefordert hätte (der Patient lief dabei bereits selbstständig zum RTW), in der Praxis hätte niemand einen Notarzt angefordert. Ich platzte in diesem Augenblick, informierte den Leiter der Leitstelle, der sich mit mir das Band anhörte, ebenfalls platzte, sich einen Bandmitschnitt anfertigen ließ und die Arztpraxis zur Rede stellen wollte. Tja, aber wie es nun natürlich so ist: Nix ist passiert. Keine Anzeige, keine Stellungnahme, nichts. Und was lernt man daraus: Richtig! Wir können tun und lassen was wir wollen. Hauptsache Patient ist weg und die Praxis kann schliessen. Egal was der §145 STGB sagt. Alles wurscht...


Gruß

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dens (30.11.2015), münchner82 (01.12.2015), DocJojo (01.12.2015), thh (01.12.2015), Sposmoker (03.12.2015)

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30.11.2015, 18:07

Wenn in diesem Falle von der Stelle (Amt nehme ich an) keine Strananzeige erstattet wurde, dann ist es ein Armutszeugnis von deinen Vorgestetzten, sowas hätte es bei uns nicht gegeben.
Zu Punkt 3: Es ist deine Aufgabe als Disponent das richtige RM zu schicken. Zu ITW TP fährt auch nen ITW. Und wenn die keine Zeit vohersehen können, dann können die das gerne im Nachgang Beweisen warum solche TP nicht Zeitmäßig absehbar sind.

fakl

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30.11.2015, 19:14

Nachts wird man ohne Alarm, da für eine bestimmte Urzeit vorbestellt (OP-Ende), mit RTW und NEF in einen Aufwachraum bestellt. Dort übernimmt man einen frisch operierten Patienten, analgosediert, IPPV-beatmet, katecholaminpflichtig (Noradrenalin), mit entsprechender Instrumentierung (ZVK, Arterie, usw.). Aufgrund fehlender Intensivplätze wird der Patient innerhalb des Klinikumverbundes in ein anderes Haus verlegt (ca. 40km entfernt).


Auch wenn du dich über die Arzthelferin mehr ärgerst, der obige Fall ist, wenn er System hat, schlicht skandalös.
Was hatte der Patient denn für eine OP, dass man ihn intubiert lassen musste?
Hatte/Hätte die Zielklinik die entsprechenden Kompetenzen gehabt eine Nachblutung zu versorgen?
Was macht ihr auf dem Transport?

So etwas ist, wenn es sich um einen elektiven Eingriff handelte, eine absolute Frechheit, egal ob mit RTW oder ITW
"Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind." Albert Camus

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30.11.2015, 19:18

@Andrechen: Bei den ganzen Stellungnahmen und Beschwerden würdest Du sicher die Probezeit bei uns nicht überstehen, wenn Du grundsätzlich immer so handeln würdest. Gefallen tut uns das sicher auch nicht, aber irgendwann schwimmt man mit dem Strom. Da fallen mir wieder die zwei Leitstellensprüche ein: 1) "Es ist wie es ist", und 2) "Schickste Scheiße, kriegste Scheiße"...

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30.11.2015, 19:27

Auch wenn du dich über die Arzthelferin mehr ärgerst,
Mich ärgert mehr, dass wir uns so etwas bieten lassen müssen. Spätestens hier hätte man die Praxis wegen §145 STGB dran bekommen müssen. Auf uns, die Leitstelle, wird immer rum gehackt, man merkt dieses hier ja auch oft (oft auch zurecht), aber selbst austeilen tun wir aufgrund von Bequemlichkeit der Vorgesetzten und Verwaltung nicht. Man gibt irgendwann auf und wartet auf den nächsten Feierabend. Gut, vielleicht hat das für mich auch bald ein Ende...

der obige Fall ist, wenn er System hat, schlicht skandalös.
Was hatte der Patient denn für eine OP, dass man ihn intubiert lassen musste?
Hatte/Hätte die Zielklinik die entsprechenden Kompetenzen gehabt eine Nachblutung zu versorgen?
Was macht ihr auf dem Transport?

So etwas ist, wenn es sich um einen elektiven Eingriff handelte, eine absolute Frechheit, egal ob mit RTW oder ITW
Ich weiß leider nicht mehr, was genau der Patient, in dem Fall die Patientin, hatte. Der Einsatz war schon im September 2014. Es war ein bauchchirurgischer Eingriff. Mehr weiß ich leider nicht mehr. Die abgebene Klinik hatte keine Intensivbetten mehr frei, deswegen wurde in das kleinere Zielkrankenhaus, was auch zum Klinikverbund gehört, verlegt. Das Zielkrankenhaus verfügt ebenfalls über eine Bauchchirurgie. Was machen wir auf dem Transport? Was meinst Du damit genau? Im Falle einer Nachblutung? Was soll man da schon machen? Versuchen den Patienten lebend wieder in den OP zu bringen! Leider sind solche Transporte die Regel. Dafür fahren die ITW werktags dann gerne mal Krankentransporte mit Arzt (wach, ansprechbar, atmet spontan, mit O2 auf Nase, bissel Monitoring). Es ist wie es ist...

Zusatz: Da der Transport terminlich vorbestellt worden war (Nachts gegen Mitternacht), wäre ein ITW mit der entsprechenden Vorlaufzeit von 45min locker schaffbar gewesen. Der örtlich zuständige ITW wäre sogar da gewesen. Hatte mich danach schlau gemacht.

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30.11.2015, 19:57

Es gibt genügend Eingriffe, bei denen die Patienten "1 Nacht" auf Intensivstation verbringen müssen.
z.B. Lebereingriffe, um im Falle einer Nachblutung rasch reagieren zu können oder eine Kraniotomie bei Hirntumoren...

Worum es mir nur ging:
Die ersten Stunden sind die kritischsten. Deswegen kommt der Patient auch auf Intensiv. Einen solchen Patienten, dann geplant 40 km durch die Weltgeschichte zu schicken, ist schlicht grob fahrlässig.
Aber es entspricht der Mentalität: Operieren um jeden Preis... :negativ:

Das mit der Nachblutung ist auch eine interessante Sache:
Habt ihr eine arterielle RR-Messung auf dem RTW?
Wenn der Patient z.B. aus der Leber blutet geht das ganz schnell... Innerhalb des 5 Minuten Intervalls der Messung der RR-Manschette zu schnell...
Anders ausgedrückt:
Wenn der Eingriff so kritisch ist, dass der Patient postoperativ engmaschigst auf die Anzeichen einer Nachblutung "überwacht" werden muss mit dem Ziel im Falle einer Nachblutung ihn innerhalb von < 20 Minuten in einen OP-Saal zu verbringen, dann kann ich nicht logisch begründen den Patienten 40 km durch die Gegend zu fahren.
Das verstößt meiner Meinung nach grob gegen jegliche ärztliche Sorgfaltspflicht.

Zitat von »"Harris NRÜ"«

Mich ärgert mehr, dass wir uns so etwas bieten lassen müssen. Spätestens hier hätte man die Praxis wegen §145 STGB dran bekommen müssen.

Die Anzeige steht dir frei. Wobei das natürlich wieder so eine Sache ist... Denn als Angestellter des öffentlichen Dienstes brauchst du schließlich eine Aussagenehmigung deines Dienstherren...
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30.11.2015, 20:13

Es gibt genügend Eingriffe, bei denen die Patienten "1 Nacht" auf Intensivstation verbringen müssen.
z.B. Lebereingriffe, um im Falle einer Nachblutung rasch reagieren zu können oder eine Kraniotomie bei Hirntumoren...

Worum es mir nur ging:
Die ersten Stunden sind die kritischsten. Deswegen kommt der Patient auch auf Intensiv. Einen solchen Patienten, dann geplant 40 km durch die Weltgeschichte zu schicken, ist schlicht grob fahrlässig.
Aber es entspricht der Mentalität: Operieren um jeden Preis... :negativ:

Das mit der Nachblutung ist auch eine interessante Sache:
Habt ihr eine arterielle RR-Messung auf dem RTW?
Wenn der Patient z.B. aus der Leber blutet geht das ganz schnell... Innerhalb des 5 Minuten Intervalls der Messung der RR-Manschette zu schnell...
Anders ausgedrückt:
Wenn der Eingriff so kritisch ist, dass der Patient postoperativ engmaschigst auf die Anzeichen einer Nachblutung "überwacht" werden muss mit dem Ziel im Falle einer Nachblutung ihn innerhalb von < 20 Minuten in einen OP-Saal zu verbringen, dann kann ich nicht logisch begründen den Patienten 40 km durch die Gegend zu fahren.
Das verstößt meiner Meinung nach grob gegen jegliche ärztliche Sorgfaltspflicht.
Tja, was soll ich sagen? Hat sich ein Arzt ausgedacht, sicher mit einem entsprechenden Druck im Hintergrund (Verwaltung) und ein anderer Arzt hat gesagt "okay, machen wir". Eine art. Druckmessung hatten wir übrigens nicht.