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thh

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28.09.2018, 20:11

Was ich mir gut vorstellen kann ist, dass die Ropivacain-Beutel zusammen mit den NaCl-Beuteln auf einem Visitenwagen lagen (was eventuell nicht üblich ist) und die Pflegekraft dann in der Halbdämmerung die Beutel nicht mehr hat unterscheiden können


Das entspricht jedenfalls nicht den berichteten Fakten.

Demnach befanden sich die NaCl-Glasflaschen mit blauem Verschluss in einem Schrank in großer Anzahl (> 4.000 Stück), die Ropivacain-Beutel mit rotem Verschluss in einem Rollwagen in einem anderen Raum in kleiner Anzahl (< 100 Stück), zudem versehen mit einem Warnhinweis.

Die Verwechslung einer Glasflasche in einem großen Schrank mit zigtausend Glasflaschen, die schon immer dort gelagert wurden, um Arzneimittel beizumischen, mit einem (gekennzeichneten) Beutel aus einem Rollwagen in einem anderen Raum (wobei auch noch erklärt wurde, auf der Pflegegruppe werde Beuteln nie etwas beigemischt), lässt sich weder mit Halbdämmerung noch mit Ablenkung noch mit sonst etwas erklären oder entschuldigen. Das ist ein gravierendes und schlechthin nicht erklärbares Versagen, das sich mit vertretbarem Aufwand nur schwer verhindern lässt. (Das setzt natürlich voraus, dass die Darstellung der Klinik zutrifft; ich habe sie aber bisher nicht bestritten gesehen.)

Die organisatorischen Möglichkeiten - Flasche, blau, Schrank mit großer Menge / Beutel, rot, Wagen mit kleiner Menge - zur Vermeidung von Verwechslungen scheinen mir ausreichend zu sein. Wer nun noch fordert, dass man für jede Anwendung einen anderen Konnektor verwenden müsse, müsste konsequenterweise auch fordern, dass jede Medikamentengruppe Ampullen bekommt, die nur noch auf bestimmte Spritzen passen (oder überall ein verpflichtendes Vier-Augen-System einführen). Denn wer Glasflaschen mit Beuteln verwechselt, verwechselt auch Ampullen mit Ampullen.

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bodo#3

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22

29.09.2018, 00:53

Wer nun noch fordert, dass man für jede Anwendung einen anderen Konnektor verwenden müsse, müsste konsequenterweise auch fordern, dass jede Medikamentengruppe Ampullen bekommt, die nur noch auf bestimmte Spritzen passen

Eben nicht: dies muss schon risikoadaptiert geschehen, wie eben bei enteralen und parenteralen Systemen. Dass bei Lokalanästhetika ebenfalls ein nicht zu verachtendes Risiko besteht, zeigt dieser Fall auf tragische Art und Weise.

Noch eine Mutmaßung zum Fall: alle reden von einer Verwechselung mit NaCl-Glasdurchstechampullen. Da ist eine akzidentielle Verwechselung tatsächlich unwahrscheinlich. Eine Verwechselung mit anderen Medikamenten in ähnlichen Infusionsbeuteln, wie z.B. (und dies sind Beispiele die mir ad hoc aus meinem Alltag einfallen) Paracetamol, Linezolid oder Fluconazol halte ich für nicht unwahrscheinlich.

MarkusB

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23

29.09.2018, 17:06

Zitat

Wer nun noch fordert, dass man für jede Anwendung einen anderen Konnektor verwenden müsse, müsste konsequenterweise auch fordern, dass jede Medikamentengruppe Ampullen bekommt, die nur noch auf bestimmte Spritzen passen (oder überall ein verpflichtendes Vier-Augen-System einführen). Denn wer Glasflaschen mit Beuteln verwechselt, verwechselt auch Ampullen mit Ampullen.


Hier geht es weniger um falsches Medikament, sondern um falscher Applikationsweg.
Der aktuell hier diskutierte Fall ist meines Wissens das erste Mal, dass tatsächlich das Ropivacain irrtümlich als Trägerlösung genommen wurde, in den CIRS-Datenbanken finden sich dagegen mehrere Fälle, in denen Lokalanästhetika zwar dem korrekten Patienten verabreicht wurden, jedoch der Applikationsweg (i.v. statt epidural/perineural) verwechselt wurde
(Also ein ähnlicher wie der Vorfall von 2011, wo ein oraler Antibiotika-Saft, der über eine Magensonde gegeben werden sollte in ein "normale" Spritze aufgezogen wurde und dann i.v. verabreicht wurde und ein Kind starb)
Eine strikte Trennung von Konnektoren, Systemen und Spritzen für verschiedene Applikationswege (i.V., Sonden zum Gastrointestinaltrakt, Regionalanästhesien, Sonden/Drainagen) lassen sich technisch relativ einfach durch nicht mehr passende Konnektionsstellen und verschiedene Farben ausschließen und solche Verwechslungen sind relativ häufig und oft auch mit schwerwiegenden Konsequenzen.

In diesem Fall hätte die Trennung von Konnektoren zwar nicht direkt (Auswahl des falschen Medikamentes) sondern zufälligerweise indirekt (weil das falsch ausgewählte Medikament für einen anderen Applikationsweg vorgesehen ist) die Applikation verhindert. Hätte sie aber statt Ropivacain eine andere für i.v. geeignete Infusionsflasche gewählt (auch gelegentlich verwechselt - NaCl und KCl, allerdings verwenden die meisten Einrichtungen mittlerweile gefärbtes KCl) wäre der Fehler natürlich nicht zu verhindern gewesen - Wege um so etwas zu verhindern sind deutlich aufwendiger (entweder doppelte Personalbesetzung für medikamentenbezogene Tätigkeiten oder technische Sicherungssysteme wie Handscanner, bei denen Patientenarmband und Ampulle gescannt werden muss und dann ein Abgleich mit der elektronischen Anordnung vorgenommen wird und es dann ein elektronisches Feedback gibt.

https://www.dgai.de/aktuelles/385-umstel…so-80369-6.html

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24

30.10.2018, 11:33

https://www.swp.de/suedwesten/landkreise…e-28219832.html


Zitat

Die Ermittlungen und Untersuchungen nach den Todesfällen in der Göppinger Klinik dauern an. Nach dem Vorfall ist noch keine Normalität eingekehrt.
"We are the Pilgrims, master; we shall go
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25

24.01.2019, 23:05

Klinik am Eichert: Strafbefehl gegen Krankenschwester nach dem Tod zweier Patienten

https://www.swp.de/suedwesten/landkreise…n-29247101.html


Zitat

Hierfür habe die Frau das Schmerzmittel in eine Kochsalzlösung geben müssen, die dann den Patienten intravenös über eine Infusion hätte verabreicht werden sollen. Adamski stellt fest: „Aufgrund herrschenden Zeitdrucks während ihrer Schicht sah sie entgegen ihrer üblichen Vorgehensweise davon ab, die Schmerzinfusionen vorzubereiten und allen Patienten zeitgleich anzulegen. Vielmehr bereitete sie die Schmerzinfusion für jeden einzelnen Patienten bei Bedarf gesondert vor.“

Hierzu habe die Schwester in eine Schublade des Pflegestützpunkts der Station gegriffen, wo sie die Kochsalzlösungen vermutete. Ein tragischer Irrtum: „Tatsächlich befanden sich dort Beutel mit dem Lokalanästhetikum Ropivacain. Aus dieser Schublade entnahm die Krankenschwester in der Folgezeit die Bags, ohne sich zuvor über deren Inhalt zu vergewissern“, erklärt der Staatsanwalt. Für ihn ist klar: „Bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte die erfahrene Krankenschwester den wahren Inhalt erkennen können und müssen.“
...

Die Ermittler entlassen die Klinik aus jeder Verantwortung. Adamski teilt mit: „Die Ermittlungen haben trotz des Umstands, dass in der Tatnacht eine erhebliche Arbeitsbelastung für die Krankenschwester bestand und die Vorräte an Kochsalzlösungen in der Tatnacht zu Neige gingen, keinen Anfangsverdacht für ein Organisationsverschulden seitens der Verantwortlichen der Klinik am Eichert erbracht, welches ursächlich für die Handlung der Krankenschwester gewesen sein könnte.“
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24.01.2019, 23:08

Die Sache mit den 4000 Glasflaschen NaCl und der Lagerung von Ropi-Beuteln in einem anderen Raum in einem Wagen, wie ursprünglich mal berichtet, scheint nicht ganz zu stimmen....
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24.01.2019, 23:58

Nur um das einmal anschaulich zu demonstrieren, wie schnell das passieren kann:
»bodo#3« hat folgendes Bild angehängt:
  • B4502ABB-89DA-4029-8682-F036742DCAFD.jpeg

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25.01.2019, 00:26

Also der Aufkleber auf dem LA-Beutel ist ja wohl n wahrnehmungspsychologischer Witz...

Und wieder bewahrheitet sich da meine Meinung, dass das grösste Element auf einer Medikamentenverpackungen eine Beschriftung im Stil der DIVI-Etiketten mit entsprechender Farbgebung und SchreibWEISe sein sollte (muss). Am Beispiel der Infusionen müsste dann dieses Etikett bzw dieser Aufdruck eben längen- bzw breitenfüllend gestaltet sein. Die ganzen restlichen Pflichtangeben ausser dem Verfallsdatum können ja weiterhin in der bekannten Weise mitaufgedruckt sein, aber das grösste und grössenfüllende Element muss eine Beschriftung nach DIVI sein (auch für Ampullen, Glasflaschen, etc.) Aber da müsste der Gesetzgeber ja was tun.

Im Anhang hab ich mal ein Beispiel improvisiert. Richtig gross das DIVI-Feld mit entsprechender Hintergrund- und Schriftfarbe mit Wirkstoffname und Dosierung (dieser Teil könnte auch gleich als ablösbares Etikett gestaltet werden) und dann nur kleiner die Pflichtangaben (Chargenbezeichnung und Verfallsdatum) plus das Firmenlogo.
»dens« hat folgendes Bild angehängt:
  • 2019-01-25 00.39.44.jpg

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25.01.2019, 10:08

Eine erhebliche Arbeitsbelastung führt nicht zum Verdacht eines Organisationsversagens? Naja, ein Anfang wäre zumindest mal gemacht, zu wenig Personal vorgehalten, finde ich

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25.01.2019, 11:42

Interessant wäre es gewesen, wenn im Vorfeld auf betreffender Station, Kollegen(innen) eine Überlastungsanzeigen getätigt hätten...

Interessant fande und finde ich auch die Situation im Nachtdienst... mein spezieller Fokus liegt hier im OP.

Grundsätzlich müsste man, wenn man z.B. bis 4 Uhr morgens im Bereitschaftsdienst, keine Pause hatte und durchgearbeitet hat, nicht vital bedrohliche Operationen zeitlich verschieben, d.h. nach einer Pause erst mit dieser beginnen.
Dies ist in den großen Kliniken natürlich absolut nicht gern gesehen und wird von niemanden getragen. (Oberärzte aufwärts...)

Das erinnert mich dann gerne mal an Vorkommnisse, die gerade dann um 6 Uhr morgens nach entsprechenden Nächten passieren, die wirklich nicht sein müssen...

- Narkosegerät im Saal nicht hochgefahren (Pflege hat es wegen Übermüdung vergessen)
- Narkosegerät im Saal nicht richtig ausgestattet (CO2 Absorber fehlt)

Vom Losfahren ohne den Tubus vom Narkosegerät zu diskonnektieren, was im Verantwortungsbereich des Anästhesisten liegt, rede ich erst garnicht. ;-)

--> Der Vorfall in Göppingen animiert mich in Zukunft Überlastungsanzeigen zu stellen.
"Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind." Albert Camus

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25.01.2019, 14:05

Wir müssen auch noch jeder Schicht die Belastung angeben
Bisher haben wir das im plenum gemacht
Das ganze gesülze dabei meiner Kolleginnen...
Nun macht es jeder am PC während der Abrechnung für sich
Ich denke dabei sind sie eher auf der AG Seite.... ja nicht zu hoch
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25.01.2019, 14:56

Eine erhebliche Arbeitsbelastung führt nicht zum Verdacht eines Organisationsversagens?


Kaum. Auch eine erhebliche Arbeitsbelastung kann die mehrfache Verwechslung von Arzneimitteln weder entschuldigen - im Sinne einer Entlastung der Pflegekraft - noch ohne weiteres strafrechtlich vorwerfbar herbeiführen; das gilt umso mehr, wenn eine Überlastung nicht angezeigt wurde.

dens

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25.01.2019, 15:43

Hier sieht man wieder die Unterschiede zwischen logischer und rechtlicher Betrachtungsweise.

Wie hiess das nochmal? Kausalitätsprinzip oder ähnlich lautend?

Matthias Wenzel

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25.01.2019, 18:48

Eine erhebliche Arbeitsbelastung führt nicht zum Verdacht eines Organisationsversagens?


Kaum. Auch eine erhebliche Arbeitsbelastung kann die mehrfache Verwechslung von Arzneimitteln weder entschuldigen - im Sinne einer Entlastung der Pflegekraft - noch ohne weiteres strafrechtlich vorwerfbar herbeiführen; das gilt umso mehr, wenn eine Überlastung nicht angezeigt wurde.



Wie wird eine Belastung angezeigt?

Sowas kann ja erst hinterher erfolgen.
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Ab wann ist eine Überlastung denn ein Orga Verschulden?
Bei unterbesetzten Bereich?
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M1k3

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27.01.2019, 07:55

Eine erhebliche Arbeitsbelastung führt nicht zum Verdacht eines Organisationsversagens?
Kaum. Auch eine erhebliche Arbeitsbelastung kann die mehrfache Verwechslung von Arzneimitteln weder entschuldigen - im Sinne einer Entlastung der Pflegekraft - noch ohne weiteres strafrechtlich vorwerfbar herbeiführen; das gilt umso mehr, wenn eine Überlastung nicht angezeigt wurde.
Strafrechtlich mag das so sein.

Im Rahmen der Fehlerkultur, wird man feststellen, dass diese Strafe diesen Fehler nicht zukünftig verhindern wird. Dem KH, den Arbeitnehmern dort, und den zukünftigen Patienten ist also nicht geholfen.

Organisatorische Veränderungen, die Schlaf, Pause, Stellenschlüssel ernst nehmen, diese würden die Wahrscheinlichkeit des Fehlers reduzieren. Technische Veränderungen könnten ebenfalls helfen.

Übrigens würde ein funktionierendes CIRS im KH längst viele Ausrutscher und beinahe-Fehler dieser Art aufgezeigt haben. Die Katastrophe (Fehler mit letalem Ausgang) ist sehr sicher nur die Spitze des Eisbergs. Mit CIRS hätte man diesen früher erkannt, und auf die vielen kleinen, weniger dramatischen Fehler reagieren können. Das hätte diesen Fehler wahrscheinlich verhindert.

In der Luftfahrt geht man davon aus, das viele tausend Meldungen pro Absturz „ermittelbar“ wären, und dass diese „kleinen“ Meldungen ernstnehmen dazu beiträgt, dass keine Abstürze passieren.


So, Zeit für einen ersten Kaffee.
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27.01.2019, 09:57

Wie wird eine Belastung angezeigt?

Sowas kann ja erst hinterher erfolgen.
Da ist das Kind dann schon längst im Brunnen!
Ab wann ist eine Überlastung denn ein Orga Verschulden?
Bei unterbesetzten Bereich?


Die Entlastungs- oder Überlastungsanzeige kann schon vorher erfolgen, wenn absehbar ist, dass ein ordentlicher Betrieb nicht möglich ist. Wurde bei uns auch so gemacht.

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27.01.2019, 12:08

In der Luftfahrt geht man davon aus, das viele tausend Meldungen pro Absturz ?ermittelbar? wären, und dass diese ?kleinen? Meldungen ernstnehmen dazu beiträgt, dass keine Abstürze passieren.
Ja. Es gibt in der Luftfahrt auch eine öffentlich zugängliche "CIRS" Datenbank von der BFU (Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung). Dort lese ich als Hobbypilot immer mal wieder, was passiert ist, damit ich daraus lernen kann. Selbst habe ich auch schon zur Vergrößerung dieser Datenbank beigetragen, denn schon "kleine" Ereignisse sind meldepflichtig. #mce_temp_url#
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27.01.2019, 12:26

Das gibt es im Rettungsdienst durchaus auch schon. Dennoch ist die Fehlerkultur in meinen Augen hier noch nicht so selbstverständlich wie in der Fliegerei.

CIRS Bayern

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27.01.2019, 12:30

Das gibt es im Rettungsdienst durchaus auch schon. Dennoch ist die Fehlerkultur in meinen Augen hier noch nicht so selbstverständlich wie in der Fliegerei.

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Ja, ich weiss. Im Unterschied zur Medizin gibt es jedoch harte Sanktionen in der Luftfahrt, wenn bestimmte Ereignisse nicht gemeldet werden.
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