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raphael-wiesbaden

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01.03.2017, 20:23

Honorarvergütung für Notaufnahmen

Zum 01.04.2017 soll es eine Neuregelung der Vergütung für Patienten in Kliniknotaufnahmen geben.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/no…ml?xtor=EREC-7-[Rhein-Main]-20170301&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Rhein-Main
raphael-wiesbaden

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Dienstwagen

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01.03.2017, 20:59

Wenn ich das richtig sehe werden also Bagatellfälle sofort rausgeschmissen und in allen anderen Fällen muss der Patient stationär aufgenommen werden. Das wird ja spannend.
"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein. "

Johannes D.

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02.03.2017, 18:01

Niemand ist in der Lage innerhalb von zwei Minuten zu entscheiden, ob ein Patient stationär versorgt werden muss oder nicht. Die einzige Folge ist am Ende, dass das Casemanagement solange Druck macht, Patienten geschädigt werden, weil Dinge übersehen werden, und sich die Ärzte immer mehr im Spannungsfeld zwischen Vorgesetzten und dem Patienten bzw. im schlechtesten Fall dem Staatsanwalt sehen.

Die Anlaufstelle, bei der entschieden werden könne, ob ein Patient in die Klinik müsse oder nicht, gibt es bereits. Sie nennt sich Allgemeinmediziner. Man muss nur den Patienten dazu bringen, dass er diesen wieder aufsucht und erreichen, dass auch der Patient wieder lernt, dass ganz böser Husten bis zu der nächsten Öffnungszeit warten kann und man dabei eben nicht um drei Uhr morgen akut medizinische Hilfe braucht. Das Stichwort heißt Eigenverantwortung statt Vollkaskomentalität.
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thh

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02.03.2017, 18:17

Zitat

Zum 01.04.2017 soll es eine Neuregelung der Vergütung für Patienten in Kliniknotaufnahmen geben.


Für eine klare Trennung zwischen ambulant und stationär ist das genau der richtige Weg, ja. Wer eine Not*aufnahme* zugleich als (hausärztliche) Ambulanz betreibt, handelt sich vorhersehbar nichts als Probleme ein, zumal die ambulante Behandlung in der Klinik in dieser Form systemfremd ist und ein Bedarf zur Versorgung von Akutfällen kaum mehr bestehen dürfte oder jedenfalls mit der Verbreitung der "Notfallpraxen" der KVen weitgehend entfällt.

Steuern lassen wird sich das ohnehin nur finanziell. Dem Patienten fehlt schlicht der Anreiz, sich einen Hausarzt aus- und diesen aufzusuchen, wenn er für das gleiche Geld auch die Notaufnahme frequentieren oder sich ein schickes Blaulichttaxi rufen kann.

thh

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02.03.2017, 18:19

Zitat

Niemand ist in der Lage innerhalb von zwei Minuten zu entscheiden, ob ein Patient stationär versorgt werden muss oder nicht.


Wenn das für eine Triage reicht, warum dann nicht zur Abklärung, ob eine notfallmäßige Aufnahme erforderlich ist? Zudem macht diese Regelung es für die Kliniken finanziell noch deutlich attraktiver, Lösungen zu finden - wie beispielsweise Portalpraxen.

M1k3

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02.03.2017, 18:33

Weil die Angst ist, dass man versteckte Hinweise übersieht, oder das Chamäleon nicht jagen könnte.


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_BC_

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02.03.2017, 18:38

Für mich lässt sich eine hier eine Gleichung mit der Rente ziehen, will man etwas nicht entsprechend finanzieren bzw. will man sparen setzt man einfach die Grundbedingungen höher an. Ein entsprechendes Vorgehen verursacht immer Verlierer, die nimmt man von Seiten der Kostenträger / der Politik aber durchaus in kauf, schließlich werden davon nur wenige an die Öffentlichkeit gehen; noch weniger wirklich etwas bewegen und am Ende hat man (Kostenträger/Politik/Allgemeinheit und oder ...) dadurch einen Gewinn.

Ich vermute, dass diese Umstellung noch einige kleinere und oder mittlere Krankenhäuser das Leben kosten wird. Das ist für den Patienten und auch den Rettungsdienst dann mal wieder ein echtes Problem, doch der "Rest" und vor allem die Kassen gehen da als großer Gewinner aus der Sache hervor.

Persönlich würde ich eine tatsächlich ausreichende finanzielle Ausstattung der Notaufnahmen, mit einem gesetzlich gedeckten sinnvollem Rahmen an Untersuchungen durchaus begrüßen. Notaufnahmen brauchen Geld und Zeit um Patienten sinnvoll untersuchen und selektieren zu können, nimmt man diesen das nötige Geld wird man bald noch weniger Krankenhäuser und Krankenhäuser mit Notaufnahmen haben. Wichtig ist aber auch, dass in einer Notaufnahme auch nicht bei jedem Patienten die Standardprozedur A für zig tausend Euro nur wegen der "rechtlichen Absicherung" runter gerattert wird, hier sollte man definitiv sachlicher vorgehen.

Auch ich würde es durchaus begrüßen, wenn wieder mehr Menschen zum Allgemeinmediziner bzw. Hausarzt gehen würde. Leider haben aber gerade auf dem Land immer mehr Leute keinen Hausarzt bzw. keinen der noch auf Hausbesuch kommt. Obendrein bekommen die Leute und zum Teil auch med. Personal immer mehr erklärt wie gefährlich doch eine Erkältung (= unbedingt eine Grippe); ein Magen-Darm-Infekt (= unbedingt ein Noro-Virus) und ein Sturz (= gerade im höheren Alter unbedingt Fraktur und oder Rhythmusstörungen ausschließen) sind.
Gerade auf dem Land bzw. dem Ländlichen wird man aus meiner Sicht mehr durch Kliniken o.a. (staatliche) Institutionen (mit)getragene Arztpraxen und Notdienstpraxen brauch. Ohne diese Form der Praxen wird man für Ärzte keinen Anreiz schaffen sich entsprechend nieder zu lassen bzw. für Patienten keinen Anreiz zum Arzt zu gehen, was unter anderem wieder an finanziellen Aspekten und auch Überfüllung liegt.

securo

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02.03.2017, 18:42

Wer eine Not*aufnahme* zugleich als (hausärztliche) Ambulanz betreibt, handelt sich vorhersehbar nichts als Probleme ein, zumal die ambulante Behandlung in der Klinik in dieser Form systemfremd ist und ein Bedarf zur Versorgung von Akutfällen kaum mehr bestehen dürfte oder jedenfalls mit der Verbreitung der "Notfallpraxen" der KVen weitgehend entfällt.


Zugleich vielleicht nicht, aber räumlich nebeneinander lassen sich Notaufnahme und Praxis des ÄND schon betreiben, incl. einer Triage.
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thh (03.03.2017)

Johannes D.

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02.03.2017, 19:16

Wenn das für eine Triage reicht, warum dann nicht zur Abklärung, ob eine notfallmäßige Aufnahme erforderlich ist? Zudem macht diese Regelung es für die Kliniken finanziell noch deutlich attraktiver, Lösungen zu finden - wie beispielsweise Portalpraxen.


Weil eine Triage von vorneherein gar nicht die Absicht verfolgt, eine Arbeitsdiagnose zu erstellen. Für die Abwägung einer stationären Aufnahme oder einer ambulanten Versorgung ist aber ggf. sogar mehr nötig. In einem zwei minütigen Arztkontakt ohne einen einzigen Messwert kannst du dies absolut nicht leisten. Und es sind keine Chamäleons die man jagen will und auch keine Zebras am Wasserloch, es gibt genügend mehr oder minder häufige Erkrankungsbilder, die einer zügigen Therapie bedürfen, wenn schwere Folgeschäden vermieden werden wollen, die sich eben nicht durch typische, lebensbedrohliche Symptome darstellen. Die meisten davon haben keine rettungsdienstliche Relevanz, weswegen dies hier ein wenig der falsche Ort sein könnte, dies zu diskutieren, aber es scheint mir im Sinne dieser Beurteilung einfach erforderlich. Ein Guillain-Barre-Syndrom bei einem jungen Patienten, eine Herpesenzephalitis bei einem Erwachsenen mittleren Alters oder ein komplex-fokaler nonkonvulsiver Status Epilepticus bei einem Senior sind jetzt nur drei beliebige Beispiele - die ich heute in der Notaufnahme gesehen habe und von denen auch mehr als ein Patient auf Station ist. Man kann da nicht von Kolibris sprechen. Keine dieser Erkrankungen wird im frühen Stadium regelhaft rettungsdienstlich irgendeine Maßnahme erfordern, allerdings würde ein abweisen der Patienten und eine Verzögerung der Behandlung schwere Folgeschäden nach sich ziehen. Die neurologische Auswahl ist durch meinen aktuellen Einsatz bedingt, dies lässt sich beliebig für die allermeisten Fachdisziplinen umändern.

Auch kann man nicht sagen, dass größere Häuser begünstigt werden, ganz im Gegenteil. Je mehr Fachabteilungen vorhanden sind, desto mehr müssen letztlich involviert werden, eh ein Patient ohne Behandlung nach Hause geschickt werden kann. Die unbezahlten Kosten steigen also an. Am günstigsten wäre hier die klassische Landklinik mit einer Inneren Medizin ohne Fachauftrennung, einer viszeral und einer Unfallchirurgie. Und um Gottes Willen ohne CT / MRT. Die machen den geringsten Verlust bei dem Spiel. Um ein anderes Verhalten durchzusetzen, müssten sich die Fachstandards und die Rechtslage zunächst grundlegend ändern. Ich wäre der erste, der das begrüßt, für realistisch halte ich es aber leider nicht.

Den Patienten wird das auch nicht lenken, denn ihm ist es letztlich egal, ob die Klinik an ihm Verlust macht oder sich eine goldene Eingangshalle verdient, solange er es selbst nicht zahlen muss. Die Verlierer bei dem Spiel sind nur die Patienten, das Personal, und die Beitragszahler. Denn die Folge wird kaum ein Umlenken der Patienten sein, sondern ein Anstieg der fragwürdigen Aufnahmen. Und das wird auch der MDK am Ende nicht verhindern können. Damit triffts am Ende auch die Rettung, weil die Kliniken nach Zusammenlegung und Bettenabbau erheblich voller werden und sich die Patienten in den Notaufnahmen stauen. Am Ende müssen sich Krankenhäuser vermutlich eher an- als abmelden.

@Securo: genau das bezeichnet man neuerdings als Portalpraxis.
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securo

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02.03.2017, 19:20

Nennt sich bei uns "Hausarztnotfall".
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Johannes D.

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02.03.2017, 19:46

Ich finde eure Bezeichnung knuffiger!
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paulaner (02.03.2017)

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02.03.2017, 22:50

So lange es ein so hartes Gegeneinander von ambulanter und stationärer Versorgung gibt, wird es wenig Lösungsmöglichkeiten geben.

Wenn die KVen ihrem Sicherstellungsauftrag nicht nachkommen und ihr Bereitschaftsarztnetz immer weiter ausdünnen, gehen die Patienten eben in die Krankenhäuser, die deutlich besser zu erreichen sind bzw. rufen den RD, der sie auch nur in die Krankenhäuser transportieren kann. Wenn man dann Notfallpraxen in den Krankenhäusern installieren möchte, ist das geradezu grotesk, weil man zuvor ja die Bereitschafsdienstzentralen geschlossen hat. Aber vielleicht merkt man ja jetzt, dass dies nicht so clever war...

Ok, vielleicht merkt man mir an, dass ich einem Krankenhaus arbeite und nicht in der ambulanten Versorgung :pfeif:

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red_cap (03.03.2017)

thh

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03.03.2017, 08:58

Zitat

Wenn die KVen ihrem Sicherstellungsauftrag nicht nachkommen und ihr Bereitschaftsarztnetz immer weiter ausdünnen, gehen die Patienten eben in die Krankenhäuser, die deutlich besser zu erreichen sind bzw. rufen den RD, der sie auch nur in die Krankenhäuser transportieren kann.


Ist das denn der Fall, dass Notaufnahmen nur oder vor allem dort überlaufen sind, wo Notfallpraxen (Bereitschaftsdienstzentralen) ausgedünnt werden? Den Eindruck hatte ich bisher nicht, wie ich auch den Eindruck hatte, dass der Trend im vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst eher zur Professionalisierung und besseren Erreichbarkeit geht, d.h. zum Ersatz von "die Rufnummer des Arztes steht in der Zeitung" zu festen Praxen/Zentralen und festen Rufnummern (die teilweise in Leitstellen abgefragt werden).

Zitat

Wenn man dann Notfallpraxen in den Krankenhäusern installieren möchte, ist das geradezu grotesk, weil man zuvor ja die Bereitschafsdienstzentralen geschlossen hat.


Tut man das denn? Ich dachte, man verlegt bestehende oder schafft neue Praxen?

jensemann

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03.03.2017, 09:15

Also für die Region hier kann ich keine Professionalisierung erkennen:
Über die 116117 braucht man häufig 1-2 Stunden um überhaupt jemanden zu erreichen, der einem dann sagt welche Praxis Dienst hat. Die örtlichen Krankenhäuser müssen übrigens ebenfalls dort anrufen und nachfragen, ansonsten wissen die auch nicht wer Dienst hat.

Die Bereitschaftspraxen sind z.B. am Wochenende oder Feiertag in der Regel von 16-18 Uhr geöffnet. Verpasst man diese Zeit oder kann (subjektiv) nicht solange warten, wird ein Hausbesuch durch den Bereitschaftsarzt gerne mal abgelehnt. Es wird dann auch öfter aufs Krankenhaus verwiesen, z.B. bei Bauchschmerzen.

Und dazu kommen dann noch einige Patienten, die immernoch nicht wissen, dass es den Bereitschaftsdienst gibt und der Meinung sind man müsse ins Krankenhaus gehen, die Ärzte haben ja zu.

thh

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03.03.2017, 13:02

Also für die Region hier kann ich keine Professionalisierung erkennen:
Über die 116117 braucht man häufig 1-2 Stunden um überhaupt jemanden zu erreichen, der einem dann sagt welche Praxis Dienst hat. Die örtlichen Krankenhäuser müssen übrigens ebenfalls dort anrufen und nachfragen, ansonsten wissen die auch nicht wer Dienst hat.


Das ist natürlich wenig sinnvoll. "State of the art" wäre m.E. die Einrichtung zentraler Praxen, gerne an oder in Krankenhäusern, die zumindest von Freitagabend bis Montagmorgen und ggf. Mittwochnachmittag bis Donnerstagmorgen durchgehend geöffnet sind (oder jedenfalls bis spät in die Nacht), bei entsprechender Auslastung durchaus auch jede Nacht.

Die Bereitschaftspraxen sind z.B. am Wochenende oder Feiertag in der Regel von 16-18 Uhr geöffnet.


Ich hätte angenommen, das hätte sich spätestens Ende der 90er erledigt gehabt ...

Bei solchen Strukturen darf man sich natürlich nicht wundern, wenn die Notaufnahmen überlaufen sind.

Nur habe ich nicht den Eindruck, dass sie es dort, wo es feste Notfallpraxen mit o.g. Öffnungszeiten und prof. Hausbesuchsdienste (inkl. Einsatzfahrzeug mit Fahrer) gibt, nicht sind ...

Thor

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03.03.2017, 15:53

Bei solchen Strukturen darf man sich natürlich nicht wundern, wenn die Notaufnahmen überlaufen sind.

Nur habe ich nicht den Eindruck, dass sie es dort, wo es feste Notfallpraxen mit o.g. Öffnungszeiten und prof. Hausbesuchsdienste (inkl. Einsatzfahrzeug mit Fahrer) gibt, nicht sind ...
Bei unserem Kreiskrankenhaus ist der ÄND neben der Notaufnahme beheimatet, inklusive Einsatzfahrzeug und Fahrer. Trotzdem ist die Notaufnahme oftmals überlaufen, einfach weil die Leute auch zu lange warten einen Arzt aufzusuchen und dann schon nicht mehr einfach an den ÄND weitergeleitet werden können, ohne eingehende Untersuchungen. Vor allem wenn der Arzt unterwegs ist, ist die Praxis unbesetzt mit entsprechenden Wartezeiten.

Letzteres ist der Knackpunkt. Wartezeiten sind heutzutage ein für Patienten, nach deren Ansicht, unzumutbarer Zustand. Wenn man krank ist, dann will man sofort einen Arzt sprechen und individuell behandelt werden. Das geschieht für viele in der Notaufnahme, oder wenn es noch schneller geht, fährt man den Angehörigen nicht selber ins KH, sondern ruft die 112. Leider stellt sich der Lernfaktor für viele erst ein, wenn sie vom RD übergeben wurden, und dann trotzdem mehrere Stunden warten müssen.

Aber insgesamt geht die Zusammenführung ÄND + Krankenhaus in die richtige Richtung.

raphael-wiesbaden

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03.03.2017, 16:07

Die Struktur "ÄND + Notaufnahme" gibt es in einem unserer drei Aktuthäuser.
Dennoch hat das bisher zu keinerlei Entlastung der anderen Häuser geführt.

Natürlich suchen die Patienten eine schnelle und bequeme Lösung...und ebenso natürlich müssen RD und ZNA die "leck-mich-am-Arsch-Haltung" ausbaden.
Dennoch muß überlegt werden, ob es nicht noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten gibt:

Flächendeckende Abendsprechstunden der Hausärzte
Ich ahne zwar schon das Gejammere der Standesvertretungen, doch andererseits wollen immer mehr Ärzte keine eigene Niederlassung mehr sondern eine angestellte Tätigkeit in einer Praxis.
Geregelte Arbeitszeit, Teilzeitarbeitsmöglichkeit, bezahlter Urlaub usw...

Samstagssprechstunden
Die Arbeit an Samstagen war bis in die 60-er-Jahre in allen Berufssparten völlig normal.
Erst danach setzte sich die 5-Tage-Woche mit 40 Arbeitsstunden durch.
Die Tendenz hat sich aber umgekehrt.
Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten im Schichtdienst und auch an den Wochenenden.
"Flexibilität" ist die heilige Kuh der deutschen Wirtschaft.
Bestimmte Berufsgruppen halten sich hier zurück.
Warum?

Mir ist bewusst, daß meine Punkte keine allgemeingültige Lösung sein kann.
Zu viele Landkreise haben eine chron. Unterversorgung mit ambulanten Strukturen - bei weiter steigendem Durchschnittsalter.
Doch weil es irgendwo nicht geht bedeutet das nicht, daß es nicht in bestimmten Gegenden möglich wäre.
raphael-wiesbaden

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03.03.2017, 16:43

Ich kann nur für unser Haus sprechen und da führt die Praxis sehr wohl zu einer Entlastung der Notaufnahme.

EDIT: Sorry, habe gerade gelesen, dass RA-Wi sich auf eine Entlastung anderer Häuser bezieht.
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03.03.2017, 17:22

Wartezeiten sind heutzutage ein für Patienten, nach deren Ansicht, unzumutbarer Zustand.


Ja, und diese Auffassung ist nun eben falsch und rechtfertigt nicht den Missbrauch der für zeitkritische Notfälle vorgehaltenen Einrichtungen.

Wenn man krank ist, dann will man sofort einen Arzt sprechen und individuell behandelt werden. Das geschieht für viele in der Notaufnahme, oder wenn es noch schneller geht, fährt man den Angehörigen nicht selber ins KH, sondern ruft die 112. Leider stellt sich der Lernfaktor für viele erst ein, wenn sie vom RD übergeben wurden, und dann trotzdem mehrere Stunden warten müssen.


Sicher, aber der Wille desjenigen, der zudem für die Umsetzung seines Willens nicht die Kosten trägt, darf nicht ausschlaggebend sein.

Aber insgesamt geht die Zusammenführung ÄND + Krankenhaus in die richtige Richtung.


D'accord.

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03.03.2017, 18:07

Andererseits ist es häufig schon gar nicht einfach Ärzte zu finden (gerade im ländlichen Bereich), die bereit sind diese Portalpraxen außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten, also neben der eigentlichen Tätigkeit, überhaupt zu besetzen. Man lässt sich als Arzt ja nicht unbedingt nieder, weil man Bereiche der Medizin sucht, in denen man viel an Wochenenden und Nachts arbeitet. Finanziell ist es obendrein wohl eher mittelmäßig bis wenig attraktiv.

Und ja, es ist durchaus üblich, dass Portalpraxen bzw. angebundene Notdienstpraxen lediglich außerhalb der regulären Öffnungszeiten zur Verfügung stehen. Zumeist sind die Zeiten identisch oder ähnlich mit denen des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Das Umdenken ist an viel systematischer Stelle erforderlich. Würde man den Patienten darauf aufmerksam machen, dass er mit seiner Lapalie zwar in der Notaufnahme behandelt werde, aber sofern er damit nicht doch lieber bei der nächsten Öffnungszeit zum Hausarzt geht, die Kosten selbst tragen müsse, dann könnte sich ein Umdenken wieder einstellen. Allerdings rede ich dann nicht von 30 Euro sondern vom regulären Selbstzahlersatz. Schnupfen muss nicht Freitag Nacht um drei Uhr therapiert werden. Montag um zehn reicht völlig.
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